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insieme Verein zur Förderung geistig behinderter Menschen Limmattal & Amt

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Ausbildungswege

Das schweizerische Berufsbildungssystem bietet abgestufte Ausbildungswege. Für Jugendliche mit einer geistigen Behinderung kommen jedoch meistens nur eine IV-Anlehre oder eine Praktische Ausbildung nach INSOS in Frage.

In der beruflichen Ausbildung lernen die Jugendlichen das Handwerk, indem sie von Anfang an im Lehrbetrieb oder in der Werkstätte mitarbeiten. Neben der Arbeit im Betrieb besuchen sie an einem bis zwei Tag(en) in der Woche die Berufsfachschule. Sie erhalten dort nicht nur das berufliche Fachwissen vermittelt, sondern auch das erweiterte Allgemeinwissen. Alles zusammen kann für Jugendliche mit geistiger Behinderung recht anstrengend sein. Wer aber durchhält, hält mit dem Diplom ein Ticket für mehr Unabhängigkeit in den Händen!

Für die eidgenössisch anerkannten Ausbildungen ist das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) zuständig. Dazu gehören die drei bis vier Jahre dauernde Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) und die zweijährige Attestlehre (EBA).

Für die meisten Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung ist eine Berufslehre mit EFZ zu anspruchsvoll. Eine Attestlehre ist für einzelne durchaus zu meistern. Die Mehrheit durchläuft jedoch eine IV-Anlehre oder eine Praktische Ausbildung (PrA) nach INSOS ohne eidgenössisch anerkanntem Abschlussdiplom.

Berufliche Grundbildung mit Berufsattest (EBA)

Erstausbildungen mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) dauern zwei Jahre und richten sich an vorwiegend praktisch begabte Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder leichter (geistiger) Behinderung. Ein EBA Abschluss kann in fast allen Branchen und ebenfalls im geschützten Rahmen erlangt werden. Die Ausbildung erfolgt unter fachkundiger individueller Begleitung (FiB). Dies ist eine kostenlose Hilfeleistung für alle Lernenden, die in der Berufsfachschule auf Lernhilfe oder persönliche Unterstützung angewiesen sind.

Im Rahmen einer EFZ- oder EBA Ausbildung kann auch der sogenannte Nachteilsausgleich ins Spiel kommen. Er umfasst Massnahmen für individuelle Anpassungen bei der Zulassung, in der Ausbildung und beim Qualifikationsverfahren. Die Anpassung des Lehrplans, z.B. durch Herabsetzung der Lernziele, gehört jedoch nicht dazu. Die behinderten Lernenden müssen in der Lage sein, die gleichen Ziele zu erreichen wie alle anderen. Für das Zusprechen eines Nachteilsausgleichs sind die kantonalen Behörden für schulische und berufliche Bildung zuständig.

IV-Anlehre und Praktische Ausbildung PrA nach INSOS

Die IV-Anlehre folgt einem individuellen Lehrplan und wird mit einem internen Diplom der ausbildenden Institution abgeschlossen. Sie dauert maximal zwei Jahre und führt zu keinem offiziell anerkannten Abschluss. Zugelassen zu dieser Ausbildung sind nur Personen mit einer IV-Verfügung für berufliche Massnahmen. Diese nur noch für ein Jahr zugesprochen. Im Verlauf des ersten Jahres wird geprüft, ob das zweite Jahr finanziert wird.

Der Nationale Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung INSOS hat die IV-Anlehre weiterentwickelt und die standardisierte praktische Ausbildung PrA eingeführt. Ziel ist, die Qualität zu verbessern, die eidgenössische Anerkennung zu erhalten und damit die berufliche Integration zu erleichtern. Für die Zulassung zu einer PrA ist eine Verfügung der IV für berufliche Massnahmen zwingend. Die PrA dauert zwei Jahre. Sie wird vermehrt auch ausserhalb des geschützten Rahmens absolviert (supported education).

Supported Education

„Supported Education“ (begleitete Ausbildung) ist ein neues Ausbildungsmodul, in welchem EBA- oder PrA-Lernende statt im geschützten Rahmen einen Teil der berufspraktischen Bildung direkt in einem Unternehmen oder regulären Lehrbetrieb des ersten Arbeitsmarktes absolvieren. Ziel ist die sofortige Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Der Ausbildungsplatz sollte daher eine langfristige Perspektive bieten. „First place, then train“ lautet die Devise, „erst platzieren, dann schulen“. Dies setzt eine intensive Betreuung des Lernenden und des Arbeitgebers durch einen Job Coach voraus. Ausbildungsangebote nach dem Modell „Supported Education“ sind aufgrund des Erfolgs stark am Wachsen.

Finanzierung

Grundsätzlich übernimmt die Invalidenversicherung bei der beruflichen Erstausbildung die Mehrkosten, die als Folge einer Behinderung entstehen. Die berufliche Erstausbildung umfasst jede Art von Berufslehre und praktischer Ausbildung. Zu ihr gehört auch die Vorbereitung auf die Ausübung einer Hilfsarbeit oder einer Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.

Jugendliche mit geistiger Behinderung müssen jedoch gewisse Bedingungen erfüllen, damit sie eine IV Verfügung für berufliche Massnahme erhalten. Ohne diese Verfügung können sie keine IV-Anlehre oder Praktische Ausbildung beginnen.

Seit Frühling 2011 gilt: Nur wem das Potential zugesprochen wird, später einmal mindestens 855 Franken im Monat verdienen zu können, soll überhaupt eine IV Verfügung erhalten und damit Zugang zu einer gekürzten Ausbildung. Für die bisherige zweijährige Ausbildung wird diese prognostizierte Lohnhürde sogar auf 1710 Franken monatlich festgesetzt. Im Vergleich dazu betragen die üblichen Löhne in den geschützten Werkstätten nach einer zweijährigen Anlehre heute zwischen ca. 350 bis 900 Franken monatlich. Die meisten Jugendlichen mit geistiger Behinderung laufen daher Gefahr, aus der Berufsbildung ausgeschlossen zu werden. insieme hat gemeinsam mit Procap und Cerebral eine Petition lanciert.
Spät kommt ihr... 2016 hat das Bundesgericht entschieden: 2 Jahre sind Standard und ein Recht!

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