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Familiengleichgewicht

Jede Geburt bedeutet eine Umstellung für die Familie. Eine Tochter, ein Sohn mit geistiger Behinderung bringt jedoch weit grössere Veränderungen mit sich. Der Alltag soll trotzdem möglichst „normal“ bleiben.

Die Nachricht, dass ihr Sohn, ihre Tochter nicht wie die andern Kinder ist, bedeutet für die meisten Eltern ein Schock. Die Trauer um das „verlorene Wunschkind“ löst Erschütterung aus: Bisher selbstverständliche Werte, Lebensziele und -projekte, die Paar- und Familienbeziehung – alles wird in Frage gestellt.

Schuldgefühle

Schuldgefühle sind selbstzerstörerisch und lähmend und blockieren die Beziehungen innerhalb der Familie, zum Neugeborenen, seinen Brüdern und Schwerster, dem Partner, der Partnerin, ja, zu sich selber. Die Eltern haben vielleicht den Eindruck, nie genug für das behinderte Kind zu tun, es nicht ausreichend zu fördern. Gleichzeitig fürchten sie, sich nicht genügend um den Partner, die Partnerin und die anderen Kinder zu kümmern.

Gefühle der Ohnmacht, der Trauer und der Wut stürzen zu Beginn auf die Eltern ein. Diese Reaktionen sind normal und es ist wichtig, dass das Paar über seine Gefühle spricht, sein Leid äussert. Schritt für Schritt wird es sich dann der vorhandenen Ressourcen bewusst und wendet sich, dem Sohn, der Tochter und seinen/ihren Bedürfnissen zu.

Rollenverteilung

Mit der Ankunft eines Kindes mit geistiger Behinderung wird oft auch die bisherige Verteilung von Familien- und Berufsarbeit in Frage gestellt. Soll die Mutter ihre Arbeit nach der Babypause wieder aufnehmen? Wie kann sich der Vater in die Betreuungsarbeit einbringen? Die Antworten auf diese Fragen hängen von der Paardynamik ab und davon, wie die beiden sich auf die neue Situation einstellen und damit umgehen.

Wichtig: Auch wenn die Behinderung des Sohnes, der Tochter eine grosse Belastung für die Partnerschaft ist und eine Krise auslösen kann, so besteht auch genauso die Chance, dass das Paar daran wächst und gestärkt daraus hervorgeht.

Schritt um Schritt

So schwer die erste Zeit sein mag: Die Behinderung rückt irgendwann wieder in den Hintergrund, Freude an der Entwicklung des Kindes und am Alltag halten wieder Einzug. Die Erfahrung vieler Eltern lehrt, dass dies umso eher gelingt wenn die Familienmitglieder ihren eigenen Bedürfnisse und Interessen weiterhin nachgehen. Und sich ihre Freiräume erhalten, in denen sie auftanken und Stress abbauen können.

Eltern haben das Recht auf Unterstützung: Das Angebot reicht von familienentlastenden Diensten, über die heilpädagogische Frühförderung zu Betreuungseinrichtungen wie Kitas und Spielgruppen und Spitex. Die regionalen insieme-Vereine geben Auskunft über die verschiedenen Möglichkeiten.

Nach der ersten Phase des Schocks setzt oft ein grosses Bedürfnis nach Information ein. Informationen über die Behinderung des Kindes, seine Entwicklung, mögliche Therapien. Viele Informationen sind heute über Internet zugänglich. Aber auch die der Kinderarzt, die heilpädagogische Früherzieherin oder andere Fachpersonen können Auskunft geben.

Beim Austausch mit andern Betroffenen, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe, erhalten Eltern nicht nur Hilfe, Informationen und Unterstützung, sondern erfahren auch, dass ihre Reaktionen berechtigt und normal sind, dass sie nicht allein sind in dieser Situation. Das macht Mut.

Reaktionen der Angehörigen

Die Behinderung eines Kindes betrifft die ganze Familie und ihr Umfeld. Vielleicht schämen sich die Geschwister für dieses Kind, das so anders ist, oder sie sind eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die es erhält, oder sie fühlen sich verantwortlich. Es ist keine einfache Aufgabe für die Eltern, für eine ausgeglichene und gleichberechtigte Beziehung zwischen dem behinderten Kind und seinen Geschwistern zu sorgen. Doch ist diese eine Voraussetzung, dass die behinderte Tochter, der behinderte Sohn ein gutes Selbstverständnis entwickeln. Dreht sich alles um ihn oder sie, werden sie später Mühe haben, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.

Dank einer gleichberechtigten Beziehung unter den Geschwistern besteht für das behinderte Kind weniger Gefahr, ein Selbstbild zu entwickeln, das auf Mitleid oder der Überzeugung aufgebaut, dass die ganze Welt zu seiner Verfügung steht.

Die Geburt eines kranken oder behinderten Enkelkindes veranlasst möglicherweise die Grosseltern, sich zu fragen, ob mit dem Erbgut der Familie alles in Ordnung sei. Es kann sein, dass sich die Grosseltern gegenseitig die Verantwortung für die Behinderung zu schieben. Oder sie verleugnen die Behinderung ganz.

Für das Elternpaar, die Geschwister oder die Grosseltern gilt unterschiedslos: Sich zu verschliessen und abzukapseln ist kein Ausweg. Offenheit und die Bereitschaft, sich auch seinen Ängsten zu stellen, ist der erste Schritt zur Annahme des Kindes.

Manchmal fällt es Freunden und Bekannten leichter, das Anderssein des Kindes vorbehaltlos zu akzeptieren. Es erscheint ihnen weniger „schrecklich“, da sie mehr Abstand haben. Trotzdem ziehen sich einige zurück. Das kann eine Antwort auf den Rückzug und das Schweigen der Eltern sein oder Ausdruck ihrer Angst oder Unfähigkeit, sich der Situation zu stellen. Andere wiederum, die lange nichts von sich hören liessen, nehmen wieder Kontakt auf. Schliesslich werden auch neue Freundschaften geknüpft.

Grosseltern, Familie und Freundeskreis können eine grosse Unterstützung sein. Wenn sie das Kind umarmen und küssen und zum Zvieri einladen – so wie jedes andere Kind auch – drücken sie aus, dass sie es lieben und wertschätzten. Das hilft den Eltern, wieder Vertrauen aufzubauen.

Die Gesellschaft

Angesichts einer Gesellschaft, in der vor allem Gesundheit, Schönheit und Erfolg zählen, und angesichts des Unbehangens, das Behinderung bei vielen Leuten auslöst, und ihrer irrationalen Ängste vor Ansteckungen aller Art, ist es nur verständlich, wenn sich Eltern und Geschwister zurückziehen. Wer will sich schon den Blicken der anderen aussetzen? Sich abschätzige Fragen und Vorurteile anhören? Der Rückzug ins Schneckenhaus ändert jedoch nichts an der Haltung der Gesellschaft und verstärkt die Ausgrenzungsmechanismen. So viel Kraft es auch braucht: Nur die direkte Begegnung bewirkt Veränderungen. Die Erfahrung zeigt, dass die negativen Reaktionen, unangebrachte und verletzende Bemerkungen abnehmen, je selbstbewusster die Eltern auftreten.

Wenn die Eltern mit den Leuten sprechen und sie über die Behinderung ihres Sohnes, ihrer Tochter informieren, wenn sie ihre Umgebung für ihr Kind sensibilisieren, knüpfen sie an einem sozialen Netz, das sie und alle anderen betroffenen Familien tragen kann. Und sie helfen ihrem Kind, einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

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