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Aufwachsen

Kinder, die eine Schwester oder einen Bruder mit Behinderung haben, werden früh gefordert. Oft entwickeln sie dabei für ihr Alter aussergewöhnlich hohe Sozialkompetenzen, sind überdurchschnittlich belastbar und reif. Doch es gibt auch Kinder, die mit dieser Situation überfordert sind.

Ein Kind mit einer geistigen Behinderung nimmt seine Familie stark in Anspruch und braucht seine Eltern, aber auch seine Geschwister ein Leben lang. Vor allem der Alltag mit einem behinderten Geschwister bringt viele Besonderheiten mit sich; das Einkaufen benötigt viel mehr Zeit, die Feriendestination wird aufgrund der Rollstuhltauglichkeit gewählt, kommen neue Freunde zu Besuch, gilt es, diese mit der Situation vertraut zu machen.

Dabei haben Kinder mit einem behinderten Geschwister manchmal das Gefühl, mit ihrer besonderen Schwester oder ihrem speziellen Bruder überall aufzufallen und den Blicken der anderen ausgesetzt zu sein: Gewisse Leute reagieren mit Ablehnung und Misstrauen, andere zeigen Anteilnahme und bieten Unterstützung. Was immer gleich bleibt: Mit einem behinderten Geschwister ist Aufmerksamkeit garantiert, ob einem dies gefällt oder nicht.

Der speziellen Schwester, bzw. dem besonderen Bruder widmen die Eltern unweigerlich mehr Zeit, Kraft und Energie als ihren andern Kindern. Dabei geraten sie häufig in einen Zwiespalt, denn schliesslich möchten sie den Bedürfnissen aller Kinder gerecht werden. Besonders am Anfang dominieren bei den Eltern grosse Sorgen um die Entwicklung ihrer nicht behinderten Kinder. Erst im Laufe der Zeit erkennen viele Mütter und Väter auch positive Auswirkungen dieser speziellen Familiensituation auf die Geschwister; Kinder, die mit einem Geschwister mit geistiger Behinderung aufwachsen, lernen schon früh, sich in Geduld zu üben, die Schwächen des Geschwisters zu respektieren, Rücksicht zu nehmen, selbstständig zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und sich abzugrenzen. Viele verfügen über überdurchschnittlich grosse Flexibilität, Toleranz und Respekt gegenüber dem Anderssein.

Hohe Erwartungen

Es kann aber auch vorkommen, dass Eltern von ihren nicht behinderten Töchtern und Söhnen sehr früh sehr viel Selbstständigkeit und Verantwortung erwarten. Meistens sind diese gewillt, zu helfen und die Eltern möglichst wenig zu belasten. Doch genau diese Einstellung führt unter Umständen zu einer Selbstüberforderung; die Kinder passen sich wo immer möglich an und „funktionieren“ reibungslos. Sie wagen es nicht, ihre negativen Gefühle wie Eifersucht und Wut zu äussern, entwickeln Schuldgefühle oder leiden unter Ängsten, selber behindert zu werden. Dabei gestaltet sich auch die Identitätsfindung schwierig; der Zugang zu eigenen Gefühlen und zur eigenen Rolle wird erschwert durch eine zu starke Identifizierung mit dem behinderten Geschwister. Ständige Ermahnungen der Eltern wie „Du weisst doch…“, „Hab doch Verständnis…“ können zusätzlich dazu führen, dass sich das Kind nicht verstanden fühlt.

Doch für eine gesunde Entwicklung des Kindes ist es entscheidend, es mit all seinen Gefühlen wahrzunehmen, auch mit negativen wie Aggressionen, Neid, Schande und Wut. Sie sind genau so wichtig wie die positiven Empfindungen wie Liebe, Rücksicht, Zuneigung und Teilnahme, die mit dieser Geschwisterkonstellation einhergehen.

Für Kinder kann es überdies auch eine grosse Last sein, wenn sie quasi der einzige Stolz, ein Ersatz oder Trost der Eltern sind. Diese Haltung stellt ein erhebliches Risiko für spätere psychische Erkrankungen dar, insbesondere wenn sich die Geschwister verpflichtet fühlen, kompensatorisch besondere Leistungen zu erbringen, die den Eltern einen Ausgleich für die Enttäuschungen über die begrenzten Möglichkeiten des behinderten Kindes geben.

Darüber sprechen

Ob sich das Geschwisterkind positiv entwickelt, bzw. mehr Reife und soziale Belastung erreicht oder negativ, bzw. Schuldgefühle und Verbitterung entwickelt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Eine zentrale Rolle spielt der jeweilige Familienkontext: die Einstellung der Eltern zur Behinderung wie auch eine positive Lebenseinstellung an sich. Gibt es trotz der Mehrbelastung durch die Behinderung in einer Familie auch fröhliche und harmonische Momente, erleben die Geschwister die Situation als weniger bedrückend. Auch ein guter Familienzusammenhalt, eine stabile elterliche Partnerschaft wirken sich auf die Kinder günstig aus.

Weiter hilft eine offene Kommunikation innerhalb der Familie Geschwistern, sich in ihrer Situation besser zurechtzufinden. Fachleuten zufolge lohnt es sich, Kinder möglichst umfassend über die Behinderung ihres Geschwisters aufzuklären; etwa darüber, welche Ursachen die Behinderung hat, welche Therapien möglich sind oder wie der Verlauf einer Behinderung aussehen könnte. Auch Gespräche über eigene Gefühle, Unangenehmes oder Zukunftspläne gehören zu einem solch offenen Kommunikationsstil. Doch wie anfangen? Welche Worte wählen? Manchmal können Gespräche mit einer Vertrauens- oder Fachperson helfen, solche Fragen zu klären.

Unterstützung von aussen

Verständnisvolle Verwandte, aufgeschlossene Nachbarn und ein offenes, tolerantes Umfeld tragen viel zur positiven Entwicklung von Geschwistern mit und ohne Behinderung bei. Für gewisse Geschwister kann der Austausch mit anderen Betroffenen ein guter Weg sein, um Tabus zu brechen, angestaute negative Gefühle auszuleben und einmal im Vordergrund zu stehen. Gerade der Austausch mit Gleichaltrigen ist unter Umständen hilfreich, um gewisse Dinge ausserhalb der Familie zu besprechen, etwa wie mit Hänseleien oder unangenehmen Fragen umzugehen ist.

Sowohl für die Eltern als auch für die Kinder kann es wohltuend und notwendig sein, Hilfe von aussen in Anspruch zu nehmen, denn Kinder mit einem Bruder oder einer Schwester mit Behinderung brauchen auch einmal Zeit ganz allein mit den Eltern. Zeit, in der es nur um sie geht, in denen ihnen die ganze Aufmerksamkeit zuteil wird, zumal sie im Alltag oft Rücksicht nehmen müssen. Dies lässt sich z.B. dadurch erreichen, dass das Kind mit Behinderung während einer bestimmten Zeit ausserfamiliär betreut wird.

Auch die betroffenen Geschwister selbst können viel dazu beitragen, um eine gute Geschwisterbeziehung entstehen zu lassen. Hier einige Anregungen:

- Den Eltern Fragen stellen und Informationen einholen
- Miteinander reden (Behinderung ist kein Tabu)
- Die eigenen Gefühle zum Ausdruck bringen
- Eine Vertrauensperson ausserhalb der Familie suchen
- Eine positive Einstellung finden
- Eigene Hobbys schaffen
- Kein schlechtes Gewissen haben
- Evtl. einer Selbsthilfegruppe beitreten

Eine Geschwisterbeziehung bedeutet, dass die eigene Position immer wieder ausgehandelt werden muss. Das ist eine Belastung, aber auch eine grosse Chance.

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